Gerolamo Cardano, der erste Stochastiker – Die wunderliche Welt der Wahrscheinlichkeiten

Gerolamo Cardano, der erste Stochastiker – Die wunderliche Welt der Wahrscheinlichkeiten
Im Jahr 1524 entstand völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit die erste nachweisbare stochastische Publikation. Im Buch “Liber de Ludo Aleae”, übersetzt “Das Buch vom Würfelspiel”, legte der Universalgelehrte und notorische Spieler Gerolamo Cardano die Grundlagen der mathematischen Wahrscheinlichkeitstheorie. Und das 100 Jahre vor der eigentlichen Geburtsstunde der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Gerolamo Cardano (1501–1576) Ein bahnbrechendes Werk In dem wichtigen Buch finden sich Gesetze der Wahrscheinlichkeitsrechnung, die Cardano beim Spiel mit dem Würfel selbst erarbeitet hat und benutzte. Cardano konnte so die damals vorherrschenden Glücksspiele zum Teil schlagen und verdiente sich so zeitweise seinen Lebensunterhalt. In dem Buch machte Cardano erste Ausflüge in das bis dahin völlig unberührte Reich der Stochastik. Das Werk Cardanos gilt heute als der Grundstein der Beschreibung diskreter Zufallsprozesse. Cardano nutzt in seinem Buch auch erstmals den Begriff der “Wahrscheinlichkeit” im mathematischen Sinn: “Man weiß, dass es 27 Würfe gibt, die einem helfen. Und da es 36 mögliche Würfe gibt, gibt es 9, in denen nicht das gewünschte Ergebnis kommt. Die Wahrscheinlichkeit beträgt daher 3 zu 1.” Auch hier war wieder mal das Glücksspiel die Triebfeder zur Erkundung der Gesetze der Stochastik. Auch wenn andere Phänomene wie das Wetter oder zum Beispiel Preisentwicklungen ebenfalls vom Zufall abhängen, sind Glücksspiele zahlenmäßig überschaubar und relativ leicht zu berechnen. Natürlich darf man auch die Geldgier der Spieler als Motivation nicht unterschätzen. Posthume Veröffentlichung Cardanos Buch wurde allerdings erst nach seinem Tod im Jahr 1663 veröffentlicht, nach dem berühmten Briefwechsel von Pascal und Fermat, der gemeinhin als Geburtsstunde der modernen Wahrscheinlichkeitsrechnung gilt. An einer Veröffentlichung war Cardano selbst nicht gelegen, er wollte seinen Wissensvorsprung beim Glücksspiel möglichst lange behalten und brachte sich so um viel Ehre. Neben bahnbrechenden mathematischen Betrachtungen gab es in dem Buch auch philosophisch angehauchte Kapitel über “Das Glück im Spiel”, “Spielsucht” oder “Die Furcht vor dem Wurf”. Auch über möglichen Betrug beim Glücksspiel gibt es entsprechende Passagen. Ein Auszug aus Gerolamo Cardanos Buch “Liber de Ludo Aleae” Cardano als Universalgenie Über Cardano sind zahlreiche Legenden überliefert, so soll er behauptet haben, seinen Tod bis auf die Stunde genau voraussagen zu können. Als die bestimmte Stunde gekommen war, habe er peinlich berührt feststellen müssen, dass er sich bester Gesundheit erfreute. Da er seinen Fehler nicht eingestehen wollen, soll er seinen Tod durch Verhungern selbst herbeigeführt haben. Tatsache ist, dass Gerolamo Cardano ein Universalgenie war. Er war Arzt, Philosoph, Techniker und Mathematiker zugleich und hat in allen Gebieten bahnbrechende Entdeckungen gemacht. Sich selbst beschrieb er in seiner Biographie als schroff und scharfzüngig. >> Weitere Artikel der Serie ‘Wunderbare Welt der Wahrscheinlichkeiten’

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